Das Schwere leicht gesagt

Trauer im Unternehmen

 

Religiöse Symbole

Trauer in den 5 Weltreligionen

Für Schnell-Leser

Im Angesicht des Todes greifen Menschen sehr oft auf ihre erste religiöse Prägung (evangelisch, katholisch, muslimisch usw.) zurück, auch wenn diese schon lange im Alltag keine Rolle mehr spielt.

Führungskräfte, die um diese wissen, können zu ihren Mitarbeitern eine tragfähigere Kommunikation aufbauen. Dass Sie als Führungskraft an dieser wichtigen Stelle unsicher sind, das ist normal.

Daher erst einmal die 4 wichtigsten Tipps, von Mensch zu Mensch: 

  1. Einen Moment tief Luft holen und dann Gelassenheit ausstrahlen 
  2. den betroffenen Kollegen in seiner Not ansehen (ihm dabei in aller Niedergeschlagenheit Ansehen verleihen!)  und würdigen –
  3. Hilfe anbieten und fragen, was jetzt gebraucht wird. 
  4. Von Herzen (nicht floskelhaft) kondolieren. Auch, wenn es ein erstmal entfernter Verwandter des Kollegen zu sein scheint. Weil er ihrem Mitarbeiter wichtig ist, wurde dieses Ereignis auch benannt.

 

Vorbemerkung

Sterben, Tod und Trauer sind in den vergangenen hundert Jahren schrittweise aus unserer (deutschen) erfahrbaren Wirklichkeit verschwunden. Gestorben wird vornehmlich im Krankenhaus, Hospizen, Altersheimen. Ebenso sind meist religiös begründete Trauerrituale in ihrer Bekanntheit und Bindekraft vor allem aus den säkularisierten Städten zunächst verpönt und dann verschwunden. Tritt der Tod ein, sind immer mehr Menschen sprachlos. Mehr noch, der wachsenden Sprachlosigkeit steht ein massiver Hunger an Zuwendung und Unterstützung gegenüber – und das in Worten und Zeichen, die über das unfassbare Ereignis hinausweisen. 

Der Tod des Menschen ist oftmals gar nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist häufig, was im Anschluss passiert bzw. nicht passiert. Hier spreche ich auch aus der Erfahrung von fast zwei Jahrzehnten Gemeinde- und 6 Jahren Krankenhauspfarramt an einem städtischen Klinikum der Maximalversorgung.  

Bereits die Dinge, die bis zur Trauerfeier erledigt sein müssen, an amtlicher Kommunikation und in der Vorbereitung der Trauerfeier können schon nervenaufreibend sein. Bisweilen brechen in diesem Moment alte innerfamiliäre Konflikte auf. (Erbe, Lieblingskind, Bedingungen der Trauerfeier/Beisetzung). Vieles läuft dabei auch per Messenger, was die Kommunikationsbasis eher noch verschlechtert. Zudem habe ich bereits 2015 Gespräche zur Vorbereitung der Bestattung per Videocall geführt, weil die Entfernungen zu groß waren und Angehörige bestenfalls weniger als 24-Stunden vor der Bestattung anreisen konnten. Vielfach mussten wir auch erst einmal Worte und helfende Zeichen finden für das, was jetzt bevorstand. Einige waren im christlichen Kontext sattelfest, viele konnten hier nur auf Bruchstücke zurückgreifen, was die Unsicherheit verstärkte. 

 

Zurück in die betriebliche Praxis: 

 

In den meisten Unternehmen arbeiten Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und religiösen Bezügen zusammen. Im täglichen Miteinander stehen Kultur und Religion hintenan, das gemeinsame Ziel, Projekt oder der Auftrag sind das Verbindende. In einer existentiellen Situation entscheiden jedoch die persönlichen Wurzeln, der Rückgriff auf die Muttersprache und die religiöse Sozialisation der (frühen) Kindheit. Hier leistet “diversity management” entscheidende Hilfen, welche zum Gelingen der Kommunikation mit dem Mitarbeiter und seinen Angehörigen beitragen. 

 

Was bedeutet das?

Die Führungskraft ist gut beraten, auch wenn es im Alltag kaum eine Rolle spielt, Informationen über den kulturellen Hintergrund ihrer Mitarbeiter zu haben. In der Regel geschieht dies bereits unbewusst im Arbeitskontext. Welcher meiner Mitarbeiter / Kollegen lebt im christlichen, muslimischen, jüdischen, hinduistischen oder auch buddhistischen Kontext, wer versteht sich als säkularisiert (z.B. getauft – aber kein aktueller Bezug zum christlichen Glauben erkennbar), wer ist womöglich in noch nicht genannte Richtung (z.B. Nordische Religionen) orientiert. Im Falle des Todes entscheiden diese Informationen bzw. Bilder, ob Kommunikation gelingt. Interessant ist, wenn gleich weniger prekär, wie die Frage nach der Religion, aus welcher Region, der Mitarbeiter kommt. Gerade, wenn es um das längerwierige Abschiednehmen geht. 

 

Worin liegt der Vorteil dieses Wissens?

Dieses Wissen erleichtert die Kommunikation in einem so sensiblen Krisenfall.

1. Im Blick auf die Religion/Kultur:

Unsichere, unwissende oder auch aus falscher Zurückhaltung resultierende Verhaltensweisen durch die Führungskraft wie beispielsweise ein fehlendes Kondolieren belastet die Kommunikation auf beiden Seiten massiv. 

Erwartungen an einen Mitarbeiter, die nicht mit seiner Religion und deren Regeln vereinbar ist, werden nicht nur nicht erfüllt, sie sorgen für Irritation oder werden als Respektlosigkeit verstanden. Selbst erlebtes Beispiel: das unsensible Ansprechen einer möglichen Feuerbestattung für einen Menschen jüdischen Glaubens – oder die Frage nach der Beisetzung eines lange in Deutschland lebenden Kollegen in der Türkei wird als Respektlosigkeit (da ersteres verboten und zweites mit der Liegezeit auf Friedhöfen kollidierend) empfunden, besonders dann, wenn die sonstige Kommunikation schon sehr hölzern war.

2. Im Blick auf die weite Herkunft:

Nicht Wenige zerreißt es innerlich und ist eine außergewöhnliche Belastung, die zusätzlich beim Mitarbeiter liegt, wenn seine Mutter in 500 km Entfernung im Sterben liegt. In diesem Zusammenhang habe ich sehr viele Mitarbeiter kennengelernt, für die eine solche Situation in einer vielfachen Zwickmühle (vor Corona und der deutlich unerwünschten Möglichkeit von Remote-Arbeit) gestanden haben. Fast alle stehen in diesem Moment in der Schwierigkeit arbeiten zu müssen und zu wollen (schafft gleichzeitig auch Ablenkung) und dem zumindest phasenweise Begleiten des Elternteils. 

Alleine, dass für einen begrenzten Zeitraum spezielle Arbeitszeiten vereinbart werden, hilft schon sehr.

3. Im Blick auf Diversity:

Eine solche Extremsituation ist die Nagelprobe jedes Unternehmens, was sich Diversity auf die Fahne geschrieben hat. Wird jeder in vergleichbarer Art und Weise vom Unternehmen bzw. von der Führungskraft unterstützt – wie er oder sie es in diesem Moment braucht. Oder gibt es hier Ungleichheiten? 

 

Kondolieren in der Trauersituation: 

  1. Persönliche Kondolenz, ob förmlich oder mitfühlend gegenüber Trauernden, ist immer angebracht. Auch wenn ein naher Angehöriger des Mitarbeiters gestorben ist, sollte ihm kondoliert bzw. das Mitgefühl ausgesprochen werden. Hier lieber einmal mehr persönlich werden.
  2. Persönliche Kondolenz der Person, die von diesem Tod berührt ist, wird, wenn sie sensibel adressiert, immer berühren. Das gilt auch, wenn die Sprache und die Kultur unterschiedlich sind. Nur Mut. Frei nach A. de Saint-Exupery: “Man sieht nur mit dem Herzen gut.” 
  3. Am besten persönlich – möglichst in einer persönlichen Begegnung sollte die Kondolenz erfolgen. Wichtig ist, dass Emotionen spürbar sind. Eine Kondolenz per Whatsapp oder einem anderen Messenger löst in der Regel Irritation und Ärger aus. 

 

Tod und Trauer im christlichen Kontext:

 

Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland ist Mitglied einer der beiden großen Kirchen. Geht man von der christlichen Lehre aus, ist der Tod eine signifikante Durchgangsstation zu einem Leben bei Gott. Je nach theologischer Ausrichtung ist die Durchgangsstation mit dem “jüngsten Gericht” (Angstfaktor) verbunden. 

Ich beschreibe diese christliche Perspektive, weil es zunehmend erwachsene Menschen gibt, die noch nie mit dieser Situation zu tun hatten bzw. einer christlichen Bestattung beigewohnt haben. Ebenso denke ich hier an Führungskräfte, die aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland gekommen sind.

 

Evangelische oder katholische Sterbevorbereitung

 

Im Blick auf Sterben, Tod und Trauer sind viele, im folgenden beschriebenen Abläufe von der Struktur her sehr ähnlich. Insbesondere im ländlich oder eben religiös geprägten Umfeld oder in Kliniken/Hospizen/Altenheimen ist es noch bekannt und praktiziert: 

 

Sofern es vom Sterbenden gewünscht ist, nimmt ein Geistlicher die (Lebens-)beichte ab und spendet die Sakramente, Euchcharistie/Abendmahl und die Krankensalbung (bekannt als letzte. Dies trifft sowohl auf evangelische wie auch katholische Menschen zu. Häufig habe ich selbst als (ev.) Pfarrer beobachtet, wie sich am Ende eines solchen Gespräches der Mensch bereits sichtbar auf den Weg machte. Dies ist beispielsweise an der besonderen, gelblichen Gesichtsfarbe oder am grauen Dreieck unter der Nase erkennbar. Wenn dies sichtbar war, ist der Mensch spätestens 48 Stunden später erleichtert verstorben. Ab diesem Moment rücken die Trauernden immer mehr in den Fokus.

 

Im Übrigen ist das auch das Zeitfenster, in dem eine Organspende entgegengenommen wird. Nicht selten müssen sich jetzt unter Zeitdruck, da ein Organspenderausweis mit einem Ja oder einem Nein fehlt, die nächsten Angehörigen über diese Möglichkeit auseinandersetzen. Auch dies ist ein Konfliktfeld.

 

Auf Wunsch der Angehörigen findet dann bisweilen eine sogenannte “Aussegnung” – also eine rituelle Verabschiedung (mit Gebeten und Trostworten) aus dem Kreis der engsten Familie – am Sterbebett, beim Bestatter oder auf dem Friedhof statt. Zunehmend haben Menschen zu einem früheren Zeitpunkt mit einem Bestatter für den Fall ihres Ablebens geschlossen und hier vieles – bisweilen zur Überraschung der Angehörigen – geregelt. 

 

Spätestens jetzt muss die Bestattungsform entschieden werden. Schwierig wird es, wenn der Sterbende sich nicht selbst für eine Erd- oder Feuerbestattung entschieden hat. Während erstere auf einem Friedhof in Deutschland spätestens 96 Stunden nach dem Tod stattfinden muss, hat man bei der Einäscherung zeitlich mehr Flexibilität. Auch eine Seebestattung setzt die Einäscherung voraus. 

 

Hier ist zusätzlich eine ganze Palette: Erdgrab, namenloses Erdgrab, Urnenwand, Ruheforst oder auch die Seebestattung. In Deutschland ist es aus gutem Grund verboten, die Asche daheim auf dem Wohnzimmerschrank zu positionieren. Aber aktuell scheint auch hier einiges in Bewegung zu kommen.

 

Die Bestattung

Sieht man von inhaltlichen Details ab, haben christliche und freie Bestattungen ähnliche Rahmenbedingungen und Struktur. Ich spreche hier daher im Folgenden weniger von Geistlichen oder freien Rednerinnen, sondern von Leitung der Bestattung. Während die kirchliche Feier meist der Ortspfarrer übernimmt, vermittelt meist die Pietät eine freie Rednerin oder einen freien Redner.

 

In ländlich geprägten Regionen sind die Bestattungen meistens Montags bis Freitags um 11 oder 13-15 Uhr. In städtischen haben oft die Friedhöfe einen festen Tag, an dem sie belegt werden. Die Terminfindung geschieht meist auf Vorschlag des Friedhofs und dann in Absprache mit Angehörigen, Bestatter und Leitung der Bestattung. Je städtischer die Situation geprägt ist, desto mehr gilt die fixe zeitliche Vorgabe der Kommune, die den Friedhof verwaltet. Die Kleidungsregelung bei einer Bestattung: “gute schwarze oder sehr gedeckte Kleidung”. Sollte dies auf Wunsch der Verstorbenen anders sein, wird dies in der Regel vorher von den Angehörigen kommuniziert. 

 

Details werden in der Regel in einem längeren Termin mit den Hinterbliebenen besprochen. Trauerfeiern in Deutschland sind grundsätzlich öffentlich. Sie dauern in der Regel zwischen 15 und 45 Minuten. Bisweilen vergeben die Friedhöfe genaue Zeitslots. Im Eingang zur Trauerhalle steht ein Kondolenzbuch zum Eintragen und ein Briefkasten für Kondolenzbriefe. Hinweis: während der Trauerfeier achtet keiner von der Familie, wer vor Ort war, deshalb ist der Eintrag in diese Liste wichtig. 

 

Zentral stehen dann entweder Sarg oder Urne, entsprechend eingebunden und dekoriert/ geschmückt. Je nach Situation gibt es auch die Bitte der Hinterbliebenen nicht zu kondolieren – diese Bitte sollte unbedingt respektiert werden. Die Verantwortung für den Gesamtablauf trägt hier die Leitung. Gebete,Bibeltexte und vor allem der Segen prägen den Ablauf einer christlichen Bestattung. 

 

Zentraler Teil der Bestattung ist die Ansprache. Bei einer christlichen Beerdigung wird das Leben des Verstorbenen in Bezug zu Gott und der Bibel oder einem christlichen Impuls oder Lied gestellt. Bei freien Rednern oftmals ein Bezug zur klassischen Literatur, zur Musik, die dem Verstorbenen wichtig war oder oder auch einem Bibelvers. Spätestens hier wird die Parallelität sichtbar. 

 

Bisweilen treten auch Familienmitglieder oder Musiker auf. An einigen Stellen kommt noch ein Klavier/Orgel zum Einsatz, meist jedoch eine tragbare Anlage mit Musik im MP3 Format. Hier gibt es im Vorfeld genaue Absprachen. Das wird genauso mit Familie und Beerdigungsleitung abgesprochen wie Nachrufe. 

 

Nachrufe auf der Trauerfeier

 

Als ev. Pfarrer habe ich viele Nachrufe gehört. 

Bevor Ihr Unternehmen bzw. Sie als Führungskraft überlegen einen Nachruf zu sprechen, sollten folgende Punkte bedacht werden: 

  • Ein Nachruf sollte im Vorfeld immer mit der Beerdigungsleitung und bestenfalls auch mit der Trauerfamilie abgesprochen werden.
  • Die engsten Angehörigen sind bei der Trauerfeier/Beerdigung nur eingeschränkt wahrnehmungsfähig. Sie sind zu sehr bei sich und dem Verlust. Sie können und werden später alles lesen. (Kondolenzbrief!)
  • Viele sind einfach nur froh, wenn’s vorbei ist. 
  • Solange es keine hochoffizielle Bestattung eines Leitungsmitgliedes Ihres Unternehmens oder Verbandes ist, wo ein Unternehmensvertreter sprechen “muss”, sollte man es vermeiden.
  • Es sollte sowohl keiner sprechen, der den Verstorbenen nicht gut kannte – und keiner, der zu nah dran ist. Beides könnte, anders als gewollt, in Erinnerung bleiben. 
  • Sollte vom Unternehmen ein Kranz oder ein Gesteck angedacht sein, sollte das vorher abgesprochen werden. Auch, ob es eine Erdbestattung wird oder eben eine Feuerbestattung. Besonders bei “prominenten” Trauerfeiern sollte vorher die Schleife auf Druckfehler geprüft werden. 

 

Am Ende der Trauerfeier wird der Sarg 

  1. a) zum offenen Grab gefahren und dann eingelassen oder in den Leichenwagen transferiert. Hier geht auch die Beerdigungsleitung voran, die anderen Folgen entsprechend der familiären Nähe, weiteres ergibt sich. Am Grab gibt es noch einige tröstende (Gebete und Bibel-) Worte. Der Segen durch den Geistlichen beschließt seinen Part. Anschließend verabschieden sich alle am offenen Grab vom Verstorbenen, meist mit einem Erdwurf – in Anlehnung an das zuvor Gesagte: “Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub”. Bisweilen gibt es auch alternativ zum Erdwurf ein zweites Behältnis mit Blumenblüten zum Nachwerfen. Auch hier bestimmt die Reihenfolge die Nähe. Allerdings verlassen manche Beerdigungsgäste den Friedhof bereits nach dem Segen. 
  2. b) der Sarg bleibt stehen, die Trauergäste verabschieden sich und es erfolgt, wenn die Trauerhalle geleert ist, die Überfahrt ins Krematorium und einige Tage später die Beisetzung im kleinen Kreis. 

 

Nach der Trauerfeier gibt es insbesondere im ländlichen Bereich, wo 100-300 Beerdigungsteilnehmer keine Seltenheit sind, einen sogenannten Leichenschmauß. Hier wird gegessen und getrunken und sich teilweise auch schon wieder mit einem Augenzwinkern über den Verstorbenen ausgetauscht. Firmenverteter habe ich nur sehr selten bei diesem Anlass gesehen, Kollegen schon.

Trauer im christlichen Umfeld

Bild: VIPDesignUSA Quelle: yayimages

Sterben, Tod und Trauer aus muslimischer Sicht

Bild: VIPDesignUSA Quelle: yayimages

Tod und Trauer islamischen Kontext

 

Nach dem Christentum ist der Islam zahlenmäßig die zweitgrößte Religion in Deutschland. Der Islam in Deutschland ist, auch wenn es hin und wieder so scheint, keine geschlossene Gruppe. Alleine wenn man bedenkt, dass die einen eine türkische Basis mitbringen, die nächsten eine arabische und die dritten eine nordafrikanische – um nur die wichtigsten zu nennen. Und innerhalb jeder Gruppe gibt es sowohl fundamentalistische und als auch liberale Vertreter – und es gibt genauso auch jene, die zwar muslimisch sozialisiert wurden, aber mit dem Islam religiös nicht mehr wirklich verbunden sind. 

 

Der Bezugspunkt ist immer die konkrete Moscheengemeinde, mit der sich der Verstorbene und seine Familie verbunden fühlt. Sie bietet auch muslimische Seelsorge an. Hier gibt es zunehmend Nachfrage und eine wachsende Zahl Ehrenamtlicher, die entsprechend ausgebildet werden. Stirbt ein muslimischer Mitarbeiter während der Arbeit und die Angehörigen sind nicht erreichbar, sollte (s)eine Moscheengemeinde im Blick auf die Rituale informiert werden. In aller Regel sind diese, anders als im christlichen Bereich, sehr gut mobil miteinander vernetzt. In der Regel wird dann die Sure 36 leise zitiert, hier geht es um die Auferstehung – sowie die Shahada, das muslimische Glaubensbekenntnis. Evtl. kann dies der Sterbende noch mitsprechen. 

 

Nach islamischer Lehre ist der Tod eine Durchgangsstation. Ob der Tote lauthals traurig betrauert werden darf oder gerade nicht, hängt von der theologischen Schule ab, nach der die jeweilige Moscheengemeinde ausgerichtet ist. In der Regel ist alles auch hier dem Allahu akbar – Gott ist größer (als diese Situation) untergeordnet. 

 

In der Vorbereitung auf das Sterben werden Verse des Korans zitiert und dem Sterbenden die wunderbaren Namen Gottes erzählt. Der Sterbende wird so positioniert, dass er möglichst Richtung Mekka schaut.

 

Nach Eintritt des Todes und der Freigabe des Leichnams beginnt der Trauerritus. Der Start wird allenfalls unterbrochen für eine Organspende oder für eine Überführung ins Ausland binnen 24 Stunden (oftmals Menschen türkischen Ursprungs). Das ist für den betrieblichen Ablauf wichtig zu wissen, denn die Begleitung des Leichnams durch einen nahen Angehörigen in die Heimat kann eine religiöse Pflicht bedeuten. Hierbei spielen zwei Faktoren eine Rolle: Heimatbezug und in Deutschland ist es ein Grab auf Zeit – nicht auf Ewigkeit, wie es der Islam erwartet. Es ist üblich, im Trauerfall nicht nur den direkten Verwandten gerader Linie persönlich (möglichst face2face!) und kurz zu kondolieren – sondern eher der Familie.   

 

Die rituelle Waschung ist eine exklusiv-muslimische Zeremonie, die gleichgeschlechtlich aus der Community übernommen wird. Einzig sonst zugelassen ist der Ehepartner. Sie erfolgt zeitnah vor der Grablegung in einem speziellen Leinentuch mit spezieller Falttechnik. Muslime kennen ausschließlich die Erdbestattung. Soweit die Friedhofsordnung es zulässt, besteht keine Sargpflicht. 

 

Im Blick auf die Beisetzung

Eine besondere Trauerkleidung gibt es nicht, da ja auch der Tod nur ein Zwischenstadium ist. Achtung, es gibt muslimische Traditionen, nach denen bei der Beisetzung nur Männer anwesend sein dürfen. Hier sollten sich weibliche Führungskräfte im Vorfeld informieren. Der Verstorbene, der meist nur in das Tuch eingewickelt ist, wird auf Schultern getragen, das ist eine Ehrerweisung. Ein wichtiger Punkt im Ritus ist die Frage, ob die Anwesenden dem Verstorbenen alles, was er getan hat, verzeihen, damit er nicht im Jenseits zur Rechenschaft gezogen wird. Zum Schluss erfolgt die Grablegung mit Blick nach Mekka. Das Gesicht wird in der Regel mit einer (Metall)Platte gegen Schmutz/Erde abgedeckt. Ein Erdwurf mit Schaufel schließt sich an. Der Koran wird noch mal zitiert, gute Taten benannt /Fürbittgebet und dann folgt die Verabschiedung am Grab.Der Tag der Grablegung wird aber auch genutzt, um über sich selbst nachzudenken. Das Totengebet wird zu den Zeiten der üblichen 5 Gebete (ggf. auch im Unternehmen) verrichtet. Das Grab soll einfach gestaltet sein, möglichst grün. Verschwendung und Bilder sind nicht gerne gesehen. Insgesamt wird die Zeit um den Tod eines Angehörigen als Prüfungszeit verstanden.

In der Phase, welche direkt auf die Beisetzung folgt,  unterstützt bei traditionellen Familien die Community im Alltag. Insofern sind hier, wenn überhaupt, Essensgaben bei Kondolenzbesuchen an der Tagesordnung. Blumen passen hier in der Regel nicht, da diese meist für Freude und nicht für Trauer stehen. Am 40. Tag nach dem Tod wird ein Essen zu Ehren des Verstorbenen abgehalten. 

 

Auch hier ist eine zunehmende Säkularisierung zu erkennen.

Trauer im jüdischen Umfeld

Trauer im hinduistischen Umfeld

Trauer im buddhistischen Umfeld

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