Das Schwere leicht gesagt

Trauer im Unternehmen

 

Gefährdungsbeurteilung

Gefahren beurteilen

Es ist etwas über 25 Jahre her. Zwei Jahre vor Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetz, erlebte ich zufällig folgende Szene mit: Ein leitender Mitarbeiter der Personalabteilung war kürzlich Vater von Zwillingen geworden.

Als er eines Morgens dem Personalchef begegnete, waren die durchwachten Nächte nicht zu übersehen. Die berühmten Streichhölzer hielten die Augen auf. Und dann geschah etwas, was sich in meine Erinnerung einbrannte: Der Personalchef zückte seine Geldbörse und gab seinem Mitarbeiter DM 300 und machte eine klare Ansage an seinen Mitarbeiter: Er möge sich jetzt direkt ein Hotelzimmer suchen und erst mal ausschlafen – und das auch in den kommenden beiden Nächten. Und er ergänzte: „So ist mir das hier zu gefährlich“.

Heute wäre diese Situation wahrscheinlich als „Belastung Psyche“ eingestuft worden, die mit einer einmaligen Maßnahme entschärft werden konnte.

Die Gefahren sehen

Dieser Personalleiter schaute genau hin, sprach mit dem Mitarbeiter seine Situation an und gemeinsam suchten sie eine Lösung. Die Gefahr lag damals nicht im Gesetz oder in einer Gesetzesstrafe, sondern die Kosten für langsames, unkonzentriertes Arbeiten, erhöhte Reizbarkeit – dazu die entsprechende Visitenkarte, die das Unternehmern bei gerade gesuchten Bewerbern hinterließ. Unbezahlbar. Und er machte auch keine formalen „Staatsakt“ aus dieser Situation. vielmehr war er im Gespräch und klärte das „mal eben“.

Oben ist eine Lösung für ein Bürojob angedacht, um wie viel höher wäre das Risiko auch für die Umwelt, wenn es um eine Mitarbeiterin in einem S3-Labor, also mit gefährlichen Viren, ginge. Käme es zu einem Unfall und entsprechende Viren würden in die Umwelt freigesetzt, ginge das auf die Dauer nur schwer geheim zu halten. Sollte sich später in der Unfallanalyse von Polizei und Versicherung eine tieftrauernde Mitarbeiterin als möglicher Auslöser herausstellen, wäre eine fehlende Gefährdungsbeurteilung Grundlage für Regressforderungen an das Unternehmen.

Gefährdungsbeurteilung bei Tod und Trauer

Die heute vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung Psyche funktioniert bei Tod und Trauer ähnlich, wie damals. Auch hier geht es darum, dem Mitarbeiter persönlich Ansehen zu verleihen. Mit ihm ins Gespräch zu kommen und fragen was ist. (Situationsanalyse). In einem nächsten Schritt sollte geschaut werden, wie eine individuelle Lösung aussehen kann.

Wer gerade oder auch kürzlich mit dem Tod eines lieben Menschen konfrontiert worden ist, schweift bisweilen mit den Gedanken und inneren Bildern ab. Sie sind in einer Zeit, da alles noch in Ordnung war – aber nicht im hier und jetzt. Wer in aller Eile zudem eine Bestattung organisieren muss, für den kommt automatisch zusätzlicher maximaler Stress dazu. Wer nächtelang am Bett seines sterbenden Vaters sitzt, vielleicht zwischendrin den rasselnden Atem und ein Aufstöhnen hört, ist am nächsten Morgen nicht wirklich wach.

BEM – Gespräch (Betriebliches Eingliederungsmanagement) als Vorbild

Ein der Regel findet ein BEM statt, wenn ein Mitarbeiter mehr als 30 Tage gefehlt hat. Hier wird gemeinsam besprochen, dass man nicht auf ihn verzichten möchte – und was er brauche, um gut und lange für das Unternehmen tätig zu sein. Ein solches Format bietet die Führungskraft zeitnah nach der Meldung über Tod und Trauer dem Mitarbeiter wertschätzend an. Damit könnte ein Abtauchen in die Krankschreibung verhindert werden – sofern man Absprachen gerade für diese erste Zeit treffen will. Die ersten sechs Wochen gilt ehedem die Lohnfortzahlung von Seiten des Arbeitgebers.

Fazit:

Ähnlich wie bei den durchwachten Nächten der „Windelhelden“ geht es auch bei Trauer um einen begrenzten Zeitraum. Je gelassener dies angegangen wird, desto weniger langwirig wird es. Der Vorteil für denjenigen, der im Gespräch ist, er oder sie kann positiv mitsteuern, damit die Zeit auch verkürzen und es ist eine wertschätzende Zusammenarbeit. Gewinner sind der oder die Mitarbeiterin, die Führungskraft, das Team, der Kunde.