Das Schwere leicht gesagt

Trauer im Unternehmen

 

Empathie – Boarding

Die letzte Erinnerung bleibt

Empathie Boarding - nicht Sorry Offboarding

Empathie – Boarding – anstatt „letzte Abwicklung“

Vorbemerkung: ONBoarding ist inzwischen ein eigener HR-Bereich geworden.

Ein neues Teammitglied im Unternehmen wird begrüßt und aktiv mit an Bord genommen. Hier werden emphatisch, ob nun bewusst oder unbewusst Triggerpunkte bedient.

Dies bedeutet auch gleichsam ein erster Gruß, eine erste Vorstellung für die Neue – bei allen relevanten Themen und Personen. Unterschwellig fallen bereits sehr viele Vorentscheidungen und Zuschreibungen auf Basis von Anti- oder Sympathie: Frei nach dem Motto: „Es gibt keine zweite Chance auf einen ersten Eindruck“. Und das gilt für alle Beteiligten.

Ein gutes Onboarding macht den neuen Mitarbeiter heimisch. Er wird veredelt durch persönliche Kontakte zu für seinen Bereich wichtige Personen, Themen, Quellen und Querschnitten. Darüber hinaus, so das Kalkül, wird das Risiko einer Kündigung der neuen Fachkraft noch während der Probezeit minimiert. 

 

1. Offboarding – jede (Arbeits-) Beziehung geht einmal zu Ende.

Jeder, der einmal in einer Beziehung war, hat auch erlebt, wie unterschiedlich diese zu Ende gehen kann. Das geht von: „Schade, es geht so nicht weiter – und wir bleiben Freunde bzw. in der Halbdistanz, helfen uns auch weiterhin…“ bis hin zum „eskalierten Rosenkrieg, der keine Gewinner kennt“ – oder vom „Ghosting“ zur großen emotionalen Abschiedsfeier. Regelmäßig sind auch Dritte, meist Kinder oder andere Familienangehörige oder enge Freunde involviert.

In Arbeitszusammenhängen ist das, Arbeitsvertrag hin oder her, ähnlich. Das reicht von einem guten Miteinander über das letzte Mal die Türe kommentarlos schließen bis hin zum Arbeitsgericht oder schlimmer. Und vergibt damit eine beiderseitig eine echte Chance, sieht man sich, wie der Volksmund sagt, im Leben oft zweimal. Mehr noch, wenn etwas schwierig auseinander gegangen ist, schweigt sich das unkontrollierbar auch zu potentiellen Bewerbern und zum Wettbewerb.

Strukturierte Unternehmen haben mit Offboarding vor einigen Jahren begonnen. Sie haben einen guten Prozess entwickelt und beschrieben, der sich auszahlt. Offboarding, die Ausgliederung eines Mitarbeiters aus dem Unternehmen ist wie Onboarding – nur eben rückwärts. Das Ganze ist deutlich nüchtern, zumindest nicht so „verliebt“, wie kurz nach dem Kennenlernen als man noch Träume mit dem anderen hatte.

Es ist der letzte Gruß an bisher relevanten Personen und Themen – und ein klares Ritual des Abschieds für beide Seiten. Klar, es gibt immer auch einen Grund, weshalb es nicht weitergeht, die Zeiten ändern sich. Wie auch immer, eine Trennung auf Augenhöhe erhöht die Bereitschaft, dass erworbenes Wissen auch mit dem Unternehmen bis zum Ende zu teilen. Ebenso ist ein späterer Wiedereinstieg bei dem jetzt-noch Arbeitgeber leichter wieder möglich, als wenn ein bitterer letzter Eindruck oder gar ein totales Desinteresse bei einem der Beteiligten hängen geblieben wäre. Mehr noch, auch Jahrzehnte später gibt es mindestens einen, der sich an diese Trennung erinnert. Hinzu kommt, da die meisten Kündigungen Vorlaufzeit haben, läßt sich hier ein strukturierter Prozess leichter und detaillierter planen und gestalten … und alle Beteiligten kennen sich. 

 

„Offboarding“ steht für ein standardisiertes Verfahren in größeren Personalabteilungen.

Der ausscheidende Mitarbeiter bekommt einen Laufzettel. Darin finden sich die Dinge, die er noch abgeben muss. Das sind beispielsweise der Geschäftswagen, das Laptop, der Firmenausweis und nicht zuletzt die Schlüssel. Elektronische Zugänge oder auch die Mailbox werden von der IT zurückgenommen oder umgeleitet.  Laufende Projekte sollen noch dokumentiert sein und dann kommt noch die Abgeltung von Überstunden und Urlaub hinzu. Zu guter Letzt kommt noch das Arbeitszeugnis, das bisweilen für Streitigkeiten sorgt. 

Der letzte Eindruck bleibt für immer

– denken Sie nur an das jeweilige Ende ihrer privaten Beziehungen…

Wenn ich Sie zu einer kleinen Übung einladen darf: Denken Sie kurz an ihre früheren privaten Beziehungen zurück. Was kommt Ihnen schneller in die Erinnerung: der Anfang oder das Ende der gemeinsamen Zeit? Fast alle meine Gesprächspartner signalisierten, dass ihnen das Ende deutlich präsenter ist – Mit allen Emotionen, Farben und Gerüchen.

 

Und Empathie – Boarding …

Ein aktiver Mitarbeiter Ihres Unternehmens ist verstorben. Während „Offboarding“ nüchtern ein SOP (Standard Operation Process) ist – macht jetzt „Empathie – Boarding“ den entscheidenden Unterschied. Gerade in einer solchen Situation zeigt sich ungeschminkt der Charakter des Unternehmens und der Beteiligten – jenseits allen Getrommel von Leitbildern und anderen Hochglanz.

Empathie – Boarding ist eine Frage an die innere Haltung und der Wertschätzung des Unternehmens und seiner Führungskräfte. Beim Todesfall liegt sofort jedes Leitbild auf der Goldwaage und steht im Fokus aller umstehenden Mitarbeiter.

Jetzt stehen der Verstorbene und seine Angehörigen im Blick. Ihnen soll der Kontakt und die oben beschriebene Abwicklung so wertschätzend wie möglich gemacht werden. Eine einfühlsame Kommunikation auf Augenhöhe macht nicht nur vieles einfacher, sondern auch schneller. Zudem geschieht unterbewußt eine Identifikation: „So wie das Unternehmen jetzt reagiert, wird man auch Handeln, wenn es mich betrifft.“ Ein Grund mehr Empathie-Boarding in den Blick zu nehmen. Es zahlt nachweisbar positiv auf das Image des Unternehmens ein und schlägt jede teure Stellenanzeigen-Kampagne um Längen. Mehr noch, spätestens mit den Corona-Maßnahmen ist das Krisenverständnis und Management ein Gehaltsfaktor.  

Hierzu zwei Beispiele: Ein frisch eingestellter Azubi erkrankt an Krebs. Das Unternehmen, eine kleinere Bank, unterstützt ihn und seine Familie bis zum bitteren Ende einige Monate später. Zur Beerdigung erschien die komplette Geschäftsleitung. Darüber hinaus gab es auch weitere, in der Öffentlichkeit wenig publizierte, Unterstützung durch das Unternehmen. Ein zweites Beispiel: Drei weitere Monatsgehälter werden an die Hinterbliebenen ausgezahlt, wenn ein Mitarbeiter eines großen Ingenieurbüros stirbt. Mit diesem Geld sollten die Familien insbesondere erst einmal wirtschaftlich Luft zum Atmen behalten. Das steht so vom ersten Tag an im Arbeitsvertrag.  Auch hier ist das ein wichtiger Puzzlestein, der auf das Image einzahlt. Beide Unternehmen bekommen gute und ausreichende Inititativbewerbungen. Sie haben keine Probleme gutes Personal zu finden und zu halten.

Empathisches-Boarding spezial

510 Arbeitsunfälle im Jahr 2021 endeten tödlich, auch wenn zuvor alle Sicherheitsregeln beachtet wurden. Hier ist die (örtliche) Geschäftsleitung persönlich gefordert. Geht sie angesichts solcher Vorkommnisse persönlich auf die Hinterbliebenen zu? Bietet sie eine Einladung ins Unternehmen oder einen persönlichen Hausbesuch an mit vielfältigen Unterstützungen inklusive großzügiger Regelungen von Ansprüchen an – und setzt sie ihn, wenn angenommen, auch um?

Denn, es geht leider auch anders:

Erlebtes Leben – oder drei Geschichten zum Fremdschämen.

1. Der Mitarbeiter eines größeren Unternehmens verstarb in der zweiten Novemberhälfte. Die Abwicklung war noch im Gange. Da bekam seine Witwe kurz vor Weihnachten vom Unternehmen einen Weihnachtsbrief, der mit fröhlichen Weihnachtswünschen schloss.

2. Bei einer verstorbenen Mitarbeiterin wurde sichtbar unsensibel der Schreibtisch abgeräumt. Es fand sich alles kreuz und quer in einer Umzugskiste. Die Angehörigen konnten diese Kiste am Empfang abholen. Die Liste ließe sich noch um einiges Verlängern. Die zuständige Führungskraft wurde in beiden Fällen von den sichtlich irritierten Mitarbeitern auf das Verhalten des Unternehmens angesprochen.

3. Die bekannte Managerin direkt unterhalb der großen Geschäftsleitung war auf einer Dienstreise verstorben. Die Geschäftsleitung kommunizierte, trotz besseren Wissens nichts. Einzig, auf dem Parkplatz mit der kleinen Nummer direkt neben dem Eingang, welcher der Managerin zugeordnet war, stand jetzt mehrere Tage in Folge, wie selbstverständlich – ein für sie  atypisches Auto. An ihrer Bürotüre hing ein Papierzettel mit neuem Namen. Wirklich kommuniziert hat nur der Flurfunk. Nach den beiden letzten Situationen gab es unerwartete Kündigungen von Fachkräften, die die Verstorbenen gut kannten. 

Wir reichen Ihren Führungskräften bei Trauer mit (Arbeits-) Sicherheit die helfende Hand